Sascha Stößel im Interview

SASCHA STÖSSEL IM INTERVIEW

Mit Blick nach vorne.

„Ein Jahr im Amt.“ So lauten oftmals Überschriften, wenn erste hochoffizielle berufliche Rückblicke gewagt werden. Bei uns ist es nun sogar schon etwas länger, daß drei Geschäftsführer, die Geschicke von Kunzmann lenken – und dass neben Inhaber Karl Diehm und Geschäftsführer Thomas Millies eben auch Sascha Stößel mit im Cockpit sitzt. Wie kam es dazu? Wie geht es weiter? Wie tickt der „Neue“, der seit mehr als 25 Jahren im Unternehmen ist? Auf einer Zeitreise von Aschaffenburg in den Kahlgrund über Mömbris und Alzenau finden wir es heraus.

Wie bist Du Ende der Neunzigerjahre zu Kunzmann gekommen?
1997 jobbte ich in einem Getränkehandel, studierte aber eifrig die Stellenanzeigen im Main-Echo. Kunzmann suchte gerade Auszubildende zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Ich weiß nicht, ob es es Zufall oder Fügung war, jedenfalls kam am nächsten Tag Claus Weller zum Einkaufen in den Markt. Claus war damals bei Kunzmann genau für diesen Ausbildungsgang zuständig. Wir kannten uns, ich erkundigte mich bei ihm und so kamen wir ins Gespräch.

Der Rest ist Geschichte...

Dein „ersten Eindruck“ von Kunzmann?
Von meinem ersten Arbeitstag an, durch und durch positiv. Sebastian Repp, viele Jahre mein Wegbegleiter im Verkauf, war damals bereits im Orga-Team und führte uns „Neue“ überall herum. Auch Sebastian ist immer noch im Unternehmen – wie ich ein typisches Kunzmann-Gewächs. Er präsentierte den Betrieb damals mit so viel Begeisterung, dass für mich sofort klar war: Hier bin ich richtig! Und ich behielt recht. (lacht)

Sascha Stößel im Interview

Bevor Du 2006 Teamleiter Verkauf Pkw wurdest, hattest Du bereits verschiedene Stationen als Verkäufer durchlaufen. Angefangen hat aber alles 1999 als Gebietsverkäufer im Kahlgrund. Nimm uns doch bitte mit auf eine kurze Zeitreise...
Arbeitsbeginn war um 7:45 Uhr, keine Minute später. Es gab weder Handy noch Mail, nur Fax. Nachmittags und abends machten wir Hausbesuche bei den Kunden. Feierabend war zwischen 19 und 21 Uhr – wenn’s gut lief – mit Kaufvertrag. Das Ganze war ziemlich zeitintensiv, aber so konnte sich echtes Vertrauen entwickeln. Die Bindung zu diesen Kunden war enorm - was nicht ausbleibt, wenn man bei Ihnen auf dem Sofa gesessen hat. 

Und im Vergleich zu heute?
Vieles hat sich verändert. Aber der Kern ist der Selbe: Es geht um Vertrauen und gesunde Beziehungen. 

Wir haben unsere kleine Tour in der E-Klasse mit dem legendären „Vieraugengesicht“ begonnen. Das hat einen besonderen Grund: Dieses Modell war das erste Auto, das Du für Kunzmann verkauft hast. Erinnerst Du dich an das Gefühl?
Ja! Wie heute. Ich war unglaublich angespannt. Diese Anspannung hat auch erst viel später in meinem Berufsleben nachgelassen. Obwohl, wenn ich ehrlich bin, so ganz gelegt hat sie sich eigentlich nie. Aber gerade als junger Mensch ein Auto für über 70.000 DM zu verkaufen, war schon etwas Besonderes. Mit solchen Beträgen hatte ich zuvor noch nie zu tun. Meine Welt war bis dato nur der besagte Getränkemarkt. Und dort kostete damals ein Kasten Wasser 3,20 DM (lacht).

E wie E-Klasse. E wie erstes.

Diese Reihe, war das erste Auto, das Sascha
Stößel in seiner Karriere für Kunzmann
verkauft hat. 

Sascha Stößel im Interview

Im Vorfeld hast Du uns verraten, daß eine Person deinen Werdegang sehr geprägt hat: Wolfgang Diehm. Er ist Dein Mentor. Ist er auch Vorbild für Dich?
Für mich ist Wolfgang Diehm der Inbegriff eines Unternehmers: vorausschauend, zielstrebig, erfolgsorientiert, arbeitsam und unermüdlich. Er ist mein absolutes Vorbild, ohne ihn wäre ich nicht der, der ich heute bin. Ich habe ihm wahnsinning viel zu verdanken! 

Was zeichnet Wolfgang Diehm im Umgang mit Mitarbeitern aus?
Gerade die jungen Mitarbeiter schaut er sich sehr, sehr genau an. Deshalb hat er viele der heutigen Führungskräfte schon früh erkannt und gefördert. Natürlich erwartet er von diesen Leuten dann auch die entsprechende, erforderliche Leistung. Und wenn diese stimmt, setzt Wolfgang Diehm aber auch alles daran, sie erfolgreich zu machen. Denn, wenn er jemandem helfen kann, hilft er! Ich habe schon erlebt, dass er Mitarbeitern einen Arzttermin verschafft hat, wenn er den Arzt kannte. Es gibt noch viele solcher Beispiele. Was ich aber sagen will: Welcher Chef macht so etwas?

Du bist der beste Beweis, dass man es auch ohne „akademische Weihen“ im Leben sehr weit bringen kann. Was würdest Du jungen Menschen in dieser Lebensphase raten: Studium? Ausbildung?
Oh, mein Beispiel lässt sich schlecht auf Heute übertragen. Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und vor allem von den richtigen Menschen umgeben. Egal ob Studium oder nicht: Die Hauptsache ist doch, dass sie sich Ziele setzen, die sie nicht aus den Augen verlieren.

Die Zukunft immer vor Augen

Eine große "Kunzmann-Familie"

Lieber Herr Diehm, 25 Jahre zurückgespult, welche Worte finden Sie zum damaligen Sascha Stößel?
(...) ein junger Mann mit ungewöhnlicher Einsatzbereitschaft und dem unbedingten Willen zur Perfektion. Sein Engagement ging weit über das seines Ausbildungsjahrgangs hinaus – im beruflichen Alltag, wie auch für die Kollegen. Er hat verstanden, dass es zwar auf jeden Einzelnen ankommt, wir aber nur im Team besser werden können. Außerdem ging es ihm nie nur um den Verkauf von Autos, sondern um das Autohaus als Ganzes. Für mich war er schon sehr früh eine Verkäuferpersönlichkeit mit großem Potenzial. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob er selbst das damals auch so gesehen hat…"

Warum haben Sie gerade ihn als Geschäftsführer berufen? 
So wie er sich in den verschiedenen Funktionen im Unternehmen weiterentwickelt hat, war absehbar, dass er mit dieser Kompetenz die Geschäftsführung einmal optimal ergänzen würde. Wenn es so etwas wie ein „Kunzmann-Gen“ gibt, dann hat Sascha Stößel es definitiv. Und er strahlt es aus, er lebt es!

Kunzmann Oberhäupter

In einem so traditionsreichen Familienunternehmen den Posten des Geschäftsführers mit jemandem zu besetzen, der nicht zur Familie gehört, kommt das einem Ritterschlag gleich?
Nein, das stimmt so nicht. Schon mit meinem Rückzug aus dem Tagesgeschäft und der damaligen Übergabe der Geschäftsführung an Herrn Tetzloff – bzw. nach dessen Ausscheiden an Herrn Millies – haben wir gezeigt, dass wir sehr wohl auch auf Kompetenzen außerhalb unserer Familie setzen. Für mich ist es natürlich schön, dass neben meinem Sohn und Nachfolger Karl jetzt ein weiteres Mitglied der großen „Kunzmann-Familie“ in die Geschäftsführung aufgerückt ist. Sascha Stößel kann man durchaus als einen meiner beruflichen „Ziehsöhne“ bezeichnen – wie alle „Kunzmänner“ Teil meiner Familie sind. Als Familienoberhaupt versucht man, den Weg zu ebnen, damit alle ihren Platz im Leben finden. Jetzt freue ich mich, mitzuerleben, wie die nächste Generation das Steuer übernimmt und dies auch sicher in Händen hält.

„Alles Gute für die Zukunft! Mit dem stets richtigen Blick, für die richtigen Dinge. Herzlichst, Ihr Wolfgang Diehm.“

Dein Nachfolger als Verkaufsleiter PKW ist Matthias Kopp. Kann man sagen, dass Du ihn in ähnlicher Weise aufbaust, wie Wolfgang Diehm es mit Dir tat?
Das kann man nicht vergleichen. Wie gesagt, es waren völlig andere Zeiten. Und schließlich bin ich ja Geschäftsführer, nicht Inhaber. Matthias übernimmt die Verkaufsleitung in einer Phase der Veränderung, wie wir sie noch nie bei Kunzmann erlebt haben. Aber ich – besser gesagt wir alle – vertrauen Matthias und unterstützen ihn, wo wir nur können.

Warum ist die Chronik von Kunzmann seit fast 90 Jahren eine Erfolgsstory?
Kunzmann ist durch und durch Familienunternehmen: Entscheidungswege sind kurz, jeder kennt jeden. Und wir kennen unsere Kunden, um die sich bei uns alles dreht. Das Unternehmen ist Schritt für Schritt über die Jahre gesund gewachsen. Es wurde immer darauf geachtet, dass Mitarbeiter sich weiterentwickeln können, wenn sie es wollten. In vielen Fällen ist so eine jahrzehntelange Betriebszugehörigkeit entstanden. Ich hoffe sehr, dass das so bleibt.

Sascha Stößel im Interview

Perspektivwechsel

Heute blickt man gemeinsam auf eine lange Partnerschaft zurück. Die Basis dafür:

Der gemeinsame Blick nach vorn. Zu Besuch beim Kunden der ersten Stunde: CT CoreTechnologie.

CoreTechnologie ist der führende Anbieter für CAD Konverter, CAD Viewer und Additive Manufacturing Sofitware. Unsere Mission ist die Optimierung Ihrer CAx Prozesse.

Zu CT CoreTechnologies
CT CoreTechnologies
CT CoreTechnologies

Gutes Stichwort: Treue. Kunzmann wurde mehrfach als Mercedes-Benz-Händler mit den zufriedensten, loyalsten Kunden ausgezeichnet. Du bist seit 25 Jahren im Vertrieb. Wie werden Kunden zu Stammkunden?
Indem wir Ihnen immer wieder verbindlich gegenübertreten. Wir sind der Partner, auf den sie sich verlassen können - jederzeit! Wie in allen Beziehungen gibt es natürlich auch mal Konflikte und die muss man gemeinsam lösen. Aber gerade in schwierigen Situationen zeigt sich doch, wie wichtig einem der Partner ist, ob man zu einer Lösung kommt und wie sich die Partnerschaft bewährt.

Und genau das ist auch ein Grund, warum wir unsere Spritztour so geplant haben: Der Softwareentwickler CT CoreTechnologie in Mömbris ist Dein ältester Stammkunde. Wie kam es dazu?
Kennengelernt haben wir uns 1999 durch Kaltakquise. Ja, so etwas war früher tatsächlich noch möglich (lacht). CT Core war damals im Aufbau und hatte eine Handvoll Mitarbeiter. Bekanntlich hat sich das Unternehmen seither fantastisch entwickelt, das Führungsduo kann wirklich stolz sein. Die Fahrzeuge, die sie von uns haben, habe ich bis heute nicht gezählt. Es dürften weit über 50 sein. Ich denke, dass wir uns von Anfang an gegenseitig vertraut haben. Natürlich gab es auch mal Reibereien, aber die haben wir gemeinsam gelöst. Und sind daran gewachsen. Für dieses Vertrauen über eine so beachtlich lange Zeit kann ich nur Danke sagen!

Wenn wir nun symbolisch das Auto tauschen – auf dem Weg ins "Morgen" – Was sind die größten Herausforderungen für Automobilhandel und Service in den nächsten Jahren?
Zum einen die Digitalisierung. Kunden, die ein Auto kaufen wollen, informieren sich heute über verschiedenste Kanäle. Deshalb muss der Handel auf jedem Kanal das bestmögliche Markenerlebnis zu bieten. Gleichzeitig gilt es, die „Transformation“ hin zur Elektromobilität in Vertrieb und Service zu meistern.

Mercedes-Benz EQS

Müssen Kunden sich darauf einstellen, ihre Autos eines Tages nur noch im Internet kaufen zu können?
Das kann ich nicht ausschließen. Aber wir tun alles, um unseren Kunden auch dabei zur Seite zu stehen. Trotzdem glaube ich, dass Autos sich von anderen Dingen, die man übers Internet kauft, deutlich unterscheiden: Sie sind groß, beratungs- und erklärungsbedürftig, ihr Anschaffungspreis ist hoch, sie müssen gewartet und repariert werden. Deshalb wird es Autohäuser und Servicewerkstätten auch in Zukunft geben. Also bauen wir die Beziehung zu unseren Kunden auch in Zeiten des Internets immer weiter aus.

Von Zukunftsmusik zum Heute und Deiner neuen Aufgabe: Nun bist Du Chef. Was magst Du daran, was nicht?
Wenn mit „Chef“ derjenige gemeint ist, der in der „Hackordnung“ ganz oben steht, dann mag ich den Begriff nicht. Erst recht nicht in Verbindung mit meiner Person. Als Geschäftsführer sehe ich mich als einer von dreien. Wir haben die Route im Blick und tragen dabei die Verantwortung für Kunzmann und die Mitarbeiter. Ja, das bedeutet auch, Entscheidungen zu treffen, die komplex sind und große Auswirkungen haben können. Manchmal sind sie vielleicht nicht sofort offensichtlich, aber sie sind immer im Interesse von Kunzmann. Gemeinsam gestalten wir die Zukunft schon heute.

Gemeinsam den Blick nach vorne.

Geschäftsführung Sascha Stößel, Thomas Millies, Karl Diehm (v. l. n. r.)

Sascha Stößel, Thomas Millies & Karl Diehm

Du hast schon viele Jahre Personalverantwortung. Was kennzeichnet Deinen Führungsstil? Hat er sich im Laufe der Zeit verändert?
Das solltet Ihr wohl besser die fragen, die mit mir zusammenarbeiten. Ich glaube, daß ich meinen Mitarbeitern gegenüber immer authentisch war und nie autoritär. Grundlegend verändert habe ich mich vermutlich nicht. Natürlich lernt man immer dazu – wird mit der Zeit vielleicht auch souveräner. Ich hoffe es jedenfalls...

Die berühmten "ersten 100 Tage im Amt" hast du längst hinter Dir gelassen. Was fiel Dir anfangs schwer und was wünschst Du Dir für die Zukunft?
"Wie? Schon?" (lacht) Mir fiel besonders das „Loslassen“ vom aktiven Verkauf schwer. Aber ich kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen. In meiner neuen Position gebe ich jeden Tag alles, dass es mit Kunzmann so gut weitergeht, wie bisher. Deshalb wünsche ich mir, dass noch viele Jahre dazukommen.

Danke Ihnen für Deine Zeit. Und natürlich vor allem für die offenen Worte und die ganz persönlichen Einblicke. Gerne schließen wir uns Wofgang Diehm an und wünschen alles Gute! Oder, um es mit dem Slogan ganz in Mercedes-Benz Manier auszudrücken: Das Beste!